Die Geschichte mit den Tauben

es war einmal.....

So fangen fast alle Märchen an. Dies ist aber keines, und auch kein Aprilscherz.
Unsere wahre Geschichte mit den Tauben und dem Maschendrahtzaun.

Mumbai.
Die Stadt der Tauben.
Unsere Küche hat einen kleinen netten Balkon mit Blick auf einen Fluß, der diesen Namen nicht verdient.
Eher ein schwarzer Abwasserkanal.
Aber der Blick über die Stadt und auf die Hügel ist klasse.
Leider kann man den Balkon nicht so richtig betreten, da er laufend vollgek.... ist. Von wem? Von Tauben.

Unweigerlich fällt einem das Lied "Drei weisse Tauben" von der EAV ein. Guru, Guru, Guru!!
Habe ich recht?

Es ist nämlich so, daß hinter der Klimaanlage ein großes Loch (30x10cm) ist, und dort die Tauben ihr Heim eingerichtet haben.
Warum da ein Loch ist, wissen wir nicht, und auch nicht wie tief es ist, da die Klimaanlage davor hängt. Für die Tauben reicht es allerdings, um dort zu landen und recht locker ihre Gemächern zu betreten.
Sie verschmutzen alles, was auf dem Balkon ist.
Waschmaschine, Trockner, Boiler und die Klimaanlage. Wer wohnt direkt vor einer Klimaanlage?
Die müssen taub sein, diese Tauben.
Was macht der Mieter? Er ruft den Hausverwalter an. Der schickt seine Arbeiter, und die sehen sich das Dilemma an. Dann wird entschieden, ein Netz anzubringen. Eine tolle Idee.
Aber wer bezahlt das Netz? Wir wollen nicht. Der Besitzer auch nicht. Also muß die Firma von Gabi herhalten. Und siehe da. Sie sind einverstanden.
Nun denkt man so ein Netz ist schnell gekauft. Aber falsch gedacht.
Irgendwann klingelt es, und die Handwerker stehen mit zwei Alurahmen da, mit einem wunderschönen Maschendrahtzaun darin montiert. Auch die Farbe ist schick. Grün.
Nun wird das Teil montiert. Obwohl vorher genau ausgemessen, paßt es nicht ganz, und ein Stück der Mauer muß dran glauben. Das Ganze noch mit Dübel und Schrauben fest fixiert, und alles ist in bester Ordnung.

Nette Geschichte bis hierher, sollte man meinen.
Das Beste kommt jetzt.

Was unsere Handwerker - trotz unserer Auforderung - nicht getan haben, ist folgendes. Sie schauten nicht nach, ob noch einige von unseren Untermietern in ihrer Wohnung sind.
Und am Abend sahen wir dann, daß noch 2 Tauben da sind. Was tun, fragt sich der Ornitologe?
Alles kein Problem.
Man wartet bis die Tierchen hungrig und durstig sind, dann stellt man ihnen Wasser und Futter hin.
Natürlich unter einen Karton, den man mit einem Kochlöffel abstützt und daran eine Schnur befestigt. Wenn dann die Tauben unter dem Karton ihr Mahl einnehmen, zieht man, und die Sache ist erledigt.
Karton besorgt, Kochlöffel war da, nur keine lange Schnur. Also nimmt man 1m Geschenkband, das Handyladekabel und sonstiges. Fertig ist die Fangleine. Und dann wartet man. Und wartet, und wartet.
Man(n) wartet 3 Tage
Was machen die blöden Viecher. Sie setzten sich auf den Karton, aber nicht darunter. Irgendwann denkt man sich, daß es nun genug ist mit der Tierliebe und gibt auf.
Sollen sie doch den Heldentod sterben. Chancen hatten sie genug, um gerettet zu werden.
Aber so eine indische Taube ist zäh, sehr zäh sogar. Nach mehreren Tagen (zwischenzeitlich waren wir 7 Tage verreist) lebten die Tierchen immer noch.
Wir kamen also von unserem Urlaub mit Ruth und Andreas zurück, und eine Taube saß unten auf dem Boden. Eine war sogar im Bad. Als unsere Housemaid da war, hatte sie vergessen, die Türe zu schließen. Sie marschierte dann ganz easy in die Wohnung. Und sie trank aus der Toilette, und war ziemlich fit. Im Regal hat sie sich mit einem Wahnsinns Häufchen ein Denkmal gesetzt.
Ruth und ich dann auf Taubenjagd. Ruth immer vorne weg und schnell war die beiden im Karton. Dann nach unten, um sie frei zu lassen. Unsere Wachmänner haben sich der beiden angenommen und sie ganz nach oben auf das Dach gebracht.
Sieg auf der ganzen Linie.
Am nächsten Morgen sitzt immer noch eine auf dem Boden. Ein Junges hatten die beiden.
Karton wieder heraus gekramt, Handtuch genommen und los ging die Großwildjagd. War schon etwas schwach und somit war die Sache schnell erledigt.
Unten wußten die Jungs schon Bescheid, als sie mich mit dem Karton sahen, und seit diesem Tag haben wir einen sauberen Balkon.
Ab und zu besucht uns eine unserer ehemaligen Mitbewohner. Hängt dann am Zaun und schaut traurig.
Aber bei diesem Angebot an Hochhäusern werden Sie sicher was Passendes finden. Vielleicht ohne Klimaanlage vor der Nase.
Das war unsere Geschichte mit den Tauben.


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